Überprüfung und Justage des Polsuchers

Die Polarismontierungen von Vixen und viele andere Montierungen verfügen über ein Polsuchersystem, mit dem man die RA-Achse in sehr kurzer Zeit mit großer Genauigkeit "einnorden" kann. Damit der Polsucher diese Aufgabe erfüllen kann, muß er jedoch korrekt justiert sein. Die folgende Anleitung geht über die Beschreibungen im Manual der Polarismontierungen hinaus und beruht auf eigenen Erfahrungen. Ich übernehme jedoch keinerlei Verantwortung dafür, falls es jemand tatsächlich schaffen sollte, seine Montierung in ein 1000-teiliges Puzzle zu zerlegen! Also: Vorsicht walten lassen!
Um eine exakte Justage zu ermöglichen, sollten die Schritte in der richtigen Reihenfolge ausgeführt werden, damit man sich Wiederholungen ersparen kann. Ganz wichtig: Vorher Schutzkappen abnehmen und die DEC-Achse richtig einstellen. Sonst bleibt´s duster! ;-)
Zur Verdeutlichung der Begriffe:

 

Überprüfung:

  1. Bevor man mit den Einstellarbeiten beginnt, sollte man sich vergewissern, daß Strichplatte oder Linsen des Polsucher nicht zu sehr verschmutzt sind, umvernünftig mit ihm arbeiten zu können. Ansonsten müssen diese gereinigt werden wie bei Schritt 1 beschrieben.
  2. Zunächst stellt man den Polsucher mit Alt- und Azimutverstellung auf ein Objekt ein, das mindestens 1 km entfernt ist (z. B. Fernsehturm, Hochaus etc.), und fokussiert darauf. Wenn die Justage der Brennpunktebene des Objektivs richtig ist, sollte das Fadenkreuz scharf vor dem Objekt abgebildet sein. Außerdem sollte die Paralaxe vom Fadenkreuz zum Bild des Objekts eine halbe Fadenkreuz-Strichbreite nicht überschreiten, wenn man das Auge hinter dem Okular des Polsuchers auf- und abbewegt. Sollte dies nicht der Fall sein, muß mit den Einstellungen bei  Schritt 2 begonnen werden.
  3. Nun stellt man den Fadenkreuzschnittpunkt des Polsuchers wiederum auf einen mindestens 1 km entfernten markanten Punkt (z. B. Kirchturmspitze) ein. Die RA-Achs wird jetzt um 180° gedreht, ohne die Einstellung des Polblocks zu verändern. Ist der Mittelpunkt des Fadenkreuzes um mehr als eine Strichbreite vom eingestellten Punkt abgewichen, beginnt man bei Schritt 3 der Justageanleitung.
  4. Vor dem nächsten Schritt muß die Montierung zunächst mit einer Wasserwaage oder anhand der Dosenlibelle nivelliert werden. Der Fadenkreuzstrich mit der kleinen, kreisförmigen Markierung, wobei letztere nach unten (also im Bezug zur Erdoberfläche nach oben) zeigen muß, wird danach entlang einer Senkrechten zum Erdboden wie einer Hauswand (die Distanz ist hier weniger entscheidend) ausgerichtet. Die Längenskala wird nun auf 0° eingestellt. Ist die Einstellung richtig, steht nun 1 Uhr auf der Zeitskala dem 10. Oktober auf der Datunsskala gegenüber (zu den Begriffen), ansonsten bei Schritt 4 beginnen!

Justage:

  1. Verschmutzte Linsen können mit Spülmittellösung und einem weichen, staubfreien Tuch gereinigt werden. Sollte die Strichplatte gereinigt werden müssen, so kann sie durch das Lösen der 3 Justierschrauben herausgenommen werden. Dazu wird selbstverständlich das Okular abgeschraubt. Unbedingt sollte man darauf achten, daß kein Fett auf optische Teile kommt, da es sich nur sehr schwer wieder entfernen läßt.
  2. Um die Brennpunktlage einzustellen, muß der Polsucher ausgebaut werden. Dazu schraubt man zunächst den Gewindering, der die restlichen Teile hält, ab. (Madenschrauben lösen!) Danach nimmt man  den Ring mit dem Indexstrich und die Datumsskala mit den Kunstoffringen ab und kann den Polsucher herausschrauben (selbstverständlich gegen den Uhrzeigersinn :-)). Es empfiehlt sich, mit den Kunstoffgewinden vorsichtig umzugehen und sie nur gefühlvoll auf- und zuzuschrauben, da sie sehr undankbar auf  hohe Drehmomente reagieren.
    Für die Justage ist es sehr güstig, das Polsucherfernrohr mit starken Gummiringen am vorderen Tubus auf der Montageschiene der Montierung zu befestigen (s. Abb.), um nicht an einer Freihand-Wackelei zugrunde zu gehen.
    Man betrachtet ein weit entferntes Objekt (besonders geeignet ist der mehr als halbe Mond) mit dem einen, bloßen Auge und schaut gleichzeitig durch das Okular des Polsuchers, der auf den leeren Himmel ausgerichtet ist. Es wird so am Okular fokussiert, daß das erste Auge das Objekt, das andere das Fadenkreuz scharf sieht (notfalls Beleuchtung verwenden). Danach schaut man ausschließlich durch den Polsucher, und stellt in ihm das Objekt ein. Jetzt wird die Madenschraube, die das Objektivgewinde arretiert,  gelöst, und es wird solange an letzterem gedreht (Okulareinstellung nicht verändern!), bis das Objekt wie das Fadenkreuz scharf eingestellt und die Paralaxe möglichst gering ist (s. o.).
    Bevor man mit dem nächsten Schritt beginnt, muß der Polsucher wieder eingebaut werden. Sein Gewinde wird leicht eingefettet und (bei leichtgängiger RA-Achse) als Richtwert etwa so stark angezogen, daß sich die (gelöste) RA-Achse mitdreht. Nun werden die anderen Teile in folgender Reihenfolge wieder aufgesetzt: Kunstoffring, Datumsskala, Kunstoffring, Ring mit Indexstrich und schließlich der Gewindering. Ich empfehle, die beiden Kunstoffringe vorher zu reinigen und sie mit etwas Teflonfett zu schieren. (Das läuft sehr Reibungsarm und bleibt, wo es soll!) Der Gewindering sollte so stark angezogen werden, daß sich die Datumsskala mit etwas Widerstand dreht. Danach die Madenschraube wieder festschrauben.
  3. Man richtet den Fadenkreuzmittelpunkt des eingebauten Polsucher nun auf einen markanten Punkt (mindestens 1 km entfernt) und dreht nun die RA-Achse um 180°, ohne die Einstellung des Polblocks zu verändern und beobachtet, wie sich der Punkt verschiebt. Ausschließlich mit den 3 Justierschrauben am Okularende stellt man den Fadenkreuzmittelpunkt genau in die Mitte zwischen Ausgangspunkt und und Punkt nach der Drehung der Achse (blaues Kreuz auf der Abbildung). Dann zentriert man erneut mit der Alt- und Azimutverstellung des Polblocks den Ausgangspunkt ein und wiederholt die Prozedur. Dies erfolgt solange, bis die Abweichung nicht mehr als eine Fadenkreuz-Strichbreite beträgt.

    Ausgangspunkt

    nach 180°-Drehung

  4. Vor dem letzten Schritt muß die Montierung zunächst mit einer Wasserwaage oder anhand der Dosenlibelle nivelliert werden. Der Fadenkreuzstrich mit der kleinen, kreisförmigen Markierung, wobei letztere nach unten (also im Bezug zur Erdoberfläche nach oben) zeigen muß, wird danach entlang einer Senkrechten zum Erdboden wie einer Hauswand (die Distanz ist hier weniger entscheidend) ausgerichtet. Man dreht nun die Datumsskala so, daß der 10. Oktober 1 Uhr auf der Zeitskala gegenübersteht. Der weiße Indexstrich auf dem schmalen, schwarzen Ring wird jetzt noch auf  0° der Längenskala gestellt und mit der Madenschraube arretiert. Damit ist die Justage abgeschlossen.

Letztes Update am 25.07.2004 durch Dirk Walther.

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